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Background Blur

In diesem Blog wurde schon viel über den Transformationsprozess im Einzelhandel geschrieben. Die stärkste Triebfeder für diesen Wandel ist der Kunde und sein Bedürfnis, informierte Kaufentscheidungen treffen zu können. In dem Maße, wie der Handel beginnt, sich an die Internet-affinen Verbraucher anzupassen, werden sich zahlreiche Handelssysteme ändern, um das vom Kunden gewünschte Einkaufserlebnis möglich zu machen. Das, was bei diesem Wandel voraussichtlich die Führungsrolle übernehmen wird, ist der Point of Sale (POS).

Einzelhändler unternehmen alles in ihrer Macht stehende, um Verbraucher in ihre Ladengeschäfte zu locken, und sie dazu zu bewegen, auf’s Online-Shopping zu verzichten. Die Theorie ist, dass ein hervorragendes Laden-Erlebnis, verbunden mit einer prompten Einkaufs-Abwicklung, sogar ausgefuchste Verbraucher dazu veranlassen wird, mehr Zeit und Geld im Geschäft zu lassen. Damit dies gelingen kann, muss aber ein Wohlfühl-Maßstab erfüllt werden, den der E-Commerce gesetzt hat – der Zahlungsvorgang.

Eine In-Store-Erfahrung, die mit einer langen Schlange an der Kasse, mit Verzögerungen wegen eines Preis-Checks oder mit einem nicht scanbaren Rabattcoupon endet, macht jedes positive Erlebnis zunichte, das der Kunde während seines Einkaufs hatte. Daher müssen sich Einzelhändler Gedanken über den Zahlvorgang an der Kasse machen – und ihn so reibungslos wie möglich gestalten. Im Idealfall betreten Kunden einen Laden, werden von einer Technologie wie iBeacon identifiziert, wählen ihre Produkte aus und gehen einfach wieder hinaus. Während dieses Prozesses werden Rabattcoupons automatisch berücksichtigt, der Rechnungsbetrag wird von der Kreditkarte des Kunden abgebucht, und ihm wird eine E-Mail mit der Quittung geschickt.

Nun – dieses Szenario spielt wahrscheinlich in einer etwas ferneren Zukunft, als es den meisten Verbrauchern lieb wäre. Trotzdem sind bereits Lösungen am Start, die eine gewaltige Verbesserung gegenüber den langen Kassen-Schlangen von heute bedeuten. Als erstes fällt einem dazu der Apple Store ein. Dort öffnet der Kunde einfach die Apple Store-App, scannt die Produkte, die er kaufen möchte, und zahlt via iTunes-Konto. Die Quittung erhält er per E-Mail, und er kann den Laden verlassen, ohne ein einziges Mal mit einem Verkäufer gesprochen zu haben.

Andere Checkout-Methoden verlangen dem Verbraucher noch weniger Mitarbeit ab. Zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte haben die Kasse am Ausgang abgeschafft und setzen stattdessen Mitarbeiter mit mobilen Kassen-Geräten, wie z. B. dem iPad, ein. Geschäfte wie Urban Outfitters haben ihre Kassen bereits vollständig durch  iPad‘s ersetzt.

Wenn der Point of Sale mobil wird, bleibt dies nicht ohne gravierende Auswirkungen auch auf andere Bereiche des Einzelhandels: Lagerhaltung, Beschaffung, Lieferkette und Produktinformations-Systeme müssen künftig besser vernetzt werden und die mobilen POS-Apps mit Daten versorgen. Diese müssen von den jeweiligen Teilsystemen mittels völlig anderer Technologien zur Verfügung gestellt werden, als bislang. Der notwendige technologische Wandel passt gut zu den Änderungen, die der Einzelhandel vornehmen muss, um verknöcherte Strukturen aufzubrechen, die die Ausweitung des Omnichannel-Handels behindern.

Wenn der Einzelhandel erst einmal damit begonnen hat, seine zentralen Technologie-Plattformen zu verändern, wird er auch die Optimierung seiner Produktinformations-Lieferkette in Angriff nehmen. Er wird sich darum bemühen, mehr Daten als bisher zu erhalten – sowohl von den Herstellern, als auch von dritter Seite (Bewertungen, Analysen etc.) und aus den sozialen Medien. Auf diese Weise wird der Handel wirkungsvoller und effizienter als bisher auf die wachsende Nachfrage der Verbraucher nach Produktinformationen reagieren können.

Die Auswirkungen der neuen POS-Technologien werden sich nicht auf die technischen Systeme des Einzelhandels beschränken. Jeder, der mit dem Ökosystem Einzelhandel zu tun hat, muss ebenfalls reagieren – Logistik-Betreiber und Hersteller ebenso, wie Distributoren und sogar die GS1 (von der Identifizierung bis zur Symbolik – mehr dazu in einem zukünftigen Blog-Beitrag). Auch wenn sich dieser Wandel natürlich nicht über Nacht vollziehen wird, kann ich es als Verbraucher kaum erwarten, dass die Kassen am Ladenausgang endlich verschwinden. Noch spannender finde ich allerdings, zu erleben, wie uns der Wandel von Bezahlprozessen und POS-Technologien den Weg zu einem rundum optimierten Einkaufserlebnis ebnet.