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Klaus, wie hoch ist der Prozentsatz der Unternehmen, die bereits die Anforderungen der LMIV erfüllen? Wie viele Unternehmen sind noch nicht fit für den 13. Dezember?

 

Klaus Schmid: „Auch wenn hierzu keine genauen Zahlen vorliegen, lässt sich feststellen: Die Unterschiede im Umsetzungsgrad sind gravierend. Wir sehen das gesamte Spektrum: Einige Unternehmen haben sich bisher überhaupt nicht mit der Thematik auseinandergesetzt und können mit dem Begriff LMIV noch gar nichts anfangen. Andere Unternehmen befinden sich mitten in der Umsetzung oder bereiten diese gerade vor. Größere Unternehmen sind dabei häufig weiter als kleinere oder auch mittlere Unternehmen. Während zahlreiche größere Unternehmen den Aufwand früh erkannt und aktiv an möglichen Lösungen gearbeitet haben, zeigen einige kleinere und mittlere Unternehmen weiterhin eine eher abwartende Haltung.

Viele Unternehmen unterschätzen nach wie vor den immensen Aufwand, den die LMIV mit sich bringt. Auch wenn die Verordnung in großen Teilen die Kennzeichnung von Lebensmitteln regelt, so gehen die Anforderungen doch weit darüber hinaus. Hier hat es insbesondere Artikel 14 in sich, der die Informationspflichten beispielsweise für den Online-, Telefon- und Kataloghandel regelt. Händler müssen die Verbraucher zukünftig auch auf solchen Kanälen umfassend mit Informationen versorgen. Das hat zur Folge, dass Hersteller die entsprechenden Informationen digital bereitstellen müssen. Infolgedessen müssen sich nahezu alle Unternehmen mit den Themen Produkthaftung, Artikelidentifikation, Stammdatenaustausch und Datenqualität auseinandersetzen und ihre Prozesse an die neuen Anforderungen anpassen.“

Wie ernst nehmen Industrie und Handel ihre Verpflichtung zur Produktinformation überhaupt?

Klaus Schmid: „Der Druck auf die Lebensmittelbranche hat enorm zugenommen – sowohl seitens der Gesetzgebung als auch der Verbraucher. Eine GfK-Studie im Auftrag von GS1 Germany hat ergeben: Mehr als 80 Prozent der Verbraucher fordern genauere Herkunftsangaben. Sind die gelieferten Informationen zu wenig vertrauenswürdig, lassen rund 40 Prozent der potenziellen Kunden das Produkt links liegen. Für die Unternehmen sind korrekte Produktinformationen allein deshalb ein geschäftskritischer Faktor – es ist davon auszugehen, dass sie ihre Verpflichtung sehr ernst nehmen.“

Welche Lebensmittelinformationen waren bisher gesetzlich vorgeschrieben, und welche Pflichtangaben kommen jetzt neu hinzu?

Klaus Schmid: „Nicht alles ist neu – die verpflichtenden Angaben etwa wurden lediglich erweitert. Neu sind jedoch insbesondere die Vorgaben für den Fernabsatz; sie machen den Unternehmen zu schaffen: Erstmalig müssen beispielsweise umfangreiche Informationen für den Online-Handel bereitgestellt werden. Eine weitere Herausforderung für die Unternehmen sind die Vorschriften zur Herkunftskennzeichnung.“